Im Herbst 2004 gab es Bestrebungen des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder und seiner Bundesminister Hans Eichel und Wolfgang Clement, den neuen "Tag der Deutschen Einheit" abzuschaffen und durch eine Verlegung auf den 1. Sonntag im Oktober gleichsam dem Tanz um das Goldene Kalb dem schnöden Mammon zu opfern. Dieses instinktlose Vorhaben ist seinerzeit an großem Widerstand im Volke sowie auch an vielen Politikern im Bund und in den Ländern gescheitert, und das ist auch gut so. Dem damaligen Regierungschef ist dadurch erspart geblieben, als „Totengräber" unseres Nationalfeiertages dazustehen.
Quelle: FAZ.net, 05.11.2004 [klick!]
Der Einheitsfeiertag wird begangen, weil die Bevölkerung der früheren DDR in friedlicher Manier die Fesseln des vierzigjährigen SED-Unrechtsregimes abgestreift und sich selbst die Freiheit erkämpft hat. In freier Selbstbestimmung hat sich die übergroße Mehrheit dieser Menschen für den Anschluss an das bessere System der Bundesrepublik Deutschland mit seiner freiheitlich-demokratischen Grundordnung ausgesprochen. Dies bedeutet natürlich nicht, dass dieses im direkten Vergleich bessere System perfekt wäre – Reformen sind an allen Ecken und Enden notwendig.
Wir leben in einer Zeit, in der bei vielen Menschen immer noch oder schon wieder eine „Mauer in den Köpfen" existiert und wohl auch noch längere Zeit wesentlich unterschiedliche Lebensverhältnisse im Westen und im Osten unserer Republik herrschen werden. Unserem Land und seinen Einwohnern das identitätsstiftende Datum des 3. Oktober zu nehmen und durch einen „ersten Oktober im Sonntag" zu ersetzen, der ohne jeden historischen Bezug dasteht, das wäre ein verantwortungsloser Fehler gewesen.
Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland
Schon seinerzeit, im Zusammenhang mit der neu entfachten Diskussion um den deutschen Nationalfeiertag, habe ich folgende Position vertreten, zu der ich nach wie vor stehe:
Es ist aus meiner Sicht sehr angebracht, ohne zeitliche Hast und in einer breiten öffentlichen Diskussion einmal darüber nachzudenken, ob der Tag der Deutschen Einheit nicht besser auf den 9. November gelegt und in Zukunft als nationaler Gedenk- und Feiertag begangen werden sollte.
Die Reaktionen der Politiker waren eher ablehnend: Von den meisten der mir im Herbst 2004 antwortenden Bundestagsabgeordneten und Bundesministern sprachen sich fast alle dagegen aus, der Bundespräsident Prof. Dr. Horst Köhler auch - der damalige Kanzler antwortete erst gar nicht.
Und dennoch: Der 9. November steht für unser Volk und Land wie kaum ein anderer für die positiven wie auch die negativen Seiten unserer Geschichte:
9.11.1989: Tag der Freude -
Fall der Berliner Mauer – strahlender Höhepunkt der friedlichen Revolution in Ost-Berlin und in der DDR
9. November 1989 in Berlin: Die Mauer ist weg!
Als seinerzeit die Mauer in unserer alten und neuen Hauptstadt fiel und die spätere Einheit unseres geteilten Vaterlandes nur noch eine Frage der Zeit war, fuhr ich spontan wie unzählige andere Menschen aus Deutschland, aus allen Ecken Europas und allen Winkeln dieser Welt auch nach Berlin, um in diesem großen geschichtlichen Augenblick dabei zu sein. Ich werde es nie vergessen, zusammen mit Reinhard Jung, meinem Schulfreund aus alten Dauenhofer Zeiten, und vielen anderen Menschen direkt vor dem Brandenburger Tor, an der Nahtstelle der beiden Systeme, im Angesicht der Wasserwerfer der DDR-Grenztruppen, auf der Mauer gestanden zu haben. Eine unglaubliche Aufbruchstimmung hat die Bürgerinnen und Bürger aus aller Herren Länder damals erfasst, eine unbeschreibliche Freude über dieses unglaublich schöne Ereignis. Es war schon ein besonderes Erlebnis, Auge in Auge mit den überflüssig gewordenen Organen des östlichen Unrechtsregimes, von einer überwältigenden Glückseligkeit erfasst zu werden und im Chor mit vielen anderen Menschen die beiden deutschen Hymnen „Deutschland, einig Vaterland ("Auferstanden aus Ruinen") und „Einigkeit und Recht und Freiheit" zu singen. Dieser Gemeinschaftsgeist, diese Aufbruchstimmung, die seinerzeit unser ganzes Land erfasste, ist leider in die Jahre bzw. abhanden gekommen. Es ist an der Zeit, dies zu ändern. Dazu könnte auch ein nationaler Gedenk- und Feiertag 9. November beitragen.
Guido Schümann - Itzehoe
Medienbeitrag zum Tag der Deutschen Einheit am 3.10.2006
"Berlin wird leben und die Mauer wird fallen!"
"Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört!"
Willy Brandt, 1913-1992 Friedensnobelpreisträger
Regierender Bürgermeister von Berlin 1957-1966
Vizekanzler der BR Deutschland von 1966-1969
Bundeskanzler der BR Deutschland von 1969 bis 1974
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