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Schönes, verlorenes Ostpreußen

Mahnung an die Völker der Welt gegen Totalitarismus und Krieg!








Quelle: Skaldenland.net

Süd-Ostpreußen gehört seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges zu Polen.
Nord-Ostpreußen gehört seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges zu Russland.

Das Memelland wurde 1920 von Ostpreußen abgetrennt und gehört jetzt zu Litauen.







              


Land der dunklen Wälder und kristall´nen Seen...


Ja, so ist es wirklich gewesen, das frühere Ostpreußenland. Nur wer dort geboren und aufgewachsen ist, dort gelebt hat, es auf der Flucht oder als Heimatvertriebener verlassen musste oder als Spätaussiedler mehr oder weniger freiwillig verließ, kann wohl wirklich und in allen Dimensionen ermessen, welch eine landschaftlich schöne Region und auch welches Kulturgut für Deutschland auf immer und ewig verloren gegangen ist. Während der ehemalige nördliche Teil jetzt zu Russland gehört, ist der ehemalige südliche Teil nunmehr zu Polen gehörig. Dies ist in Anerkennung der geschichtlichen und politischen Wirklichkeit die unumkehrliche Folge des Zweiten Weltkrieges, jenes Krieges, der, im Jahre 1939 von den NS-Machthabern in Deutschland angezettelt, so unsagbar viel Leid und millionenfachen Tod über viele Völker dieser Welt brachte.

Das Leid, das die eigenen Landsleute durch die Übertragung der Regierungsgewalt auf Adolf Hitler und seine Weggefährten schon sechs Jahre früher heimsuchte, wurde nochmals pervertiert. Schnell wurden sämtliche demokratischen Kontrollmechanismen außer Kraft gesetzt, Terror und Willkür griffen - unterstützt von Teilen des deutschen Volkes - immer mehr um sich. Schon sehr bald richtete sich der staatliche Terror der NS-Machthaber gegen das eigene Volk: Politisch Andersdenkende, Menschen jüdischen Glaubens, Roma, Sinti und Angehörige anderer Minderheiten waren alsbald einer umfassenden staatlichen Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt. In Deutschland fand dieses sichtbare Leid einen seiner vorläufigen Höhepunkte in der sogenannten "Reichskristallnacht" (Reichspogromnacht) am 9. November 1938, als zwischen Maas und Memel die Synagogen brannten: Zahlreiche Mitmenschen wurden, nur weil sie als Deutsche jüdischen Glaubens angeblich lebensunwert waren, vor den Augen ihrer Nachbarn gedemütigt, entrechtet, verfolgt, verhaftet, verschleppt, misshandelt, gefoltert und ermordet.

Wie alles endete, ist bekannt. Deutschland lag zum Kriegsende am 8. Mai 1945 in Schutt und Asche, und sehr viele der dafür verantwortlichen Personen haben sich durch Protektion, Flucht oder Selbstmord aus der Verantwortung gestohlen. Deutschland verlor seine Ostgebiete und war im verbleibenden Rest über vierzig Jahre lang geteilt - mit Mauer, Stacheldraht und Schießbefehl auf der Seite des undemokratischen SED-Regimes. Und auf Deutschland wird auf immer und ewig der Fluch des Holocaust, der gezielten und planmäßigen Vernichtung menschlichen Lebens, lasten. Was damals alles geschah, ist aus heutiger Sicht kaum mehr zu fassen, aber so war es.


Welche Lehren wurden aus alledem gezogen?

Mir bleibt die vage Hoffnung, dass alle Menschen in Deutschland, in Europa und auf der ganzen Welt dereinst erkennen, dass Terror und Willkür zu verdammen sind und der Krieg als Mittel der Politik an sich zu ächten ist. Und es ist meine feste Überzeugung, dass Frieden und Freiheit, Demokratie und Menschenrechte unteilbar sind und zu allen Zeiten von den Menschen auf der ganzen Welt immer wieder aufs neue erstritten und verteidigt werden müssen.



Was aber bleibt von Ostpreußen?


Es lebt in immer noch sehr vielen Menschen in der Mundart und in der Erinnerung weiter oder wird von den nachfolgenden Generationen neu entdeckt. Im Sommer des Jahres 1990, unmittelbar nach der Währungsunion der damals noch getrennten beiden deutschen Staaten BRD und DDR, bereiste ich mit einigen Freundinnen und Freunden weite Teile dieses einzigartigen Naturraumes. Der Zugang zu dem im damaligen sowjetischen Machtbereich liegenden und heute zu Russland gehörenden Nord-Ostpreußen mit Tilsit (Sowetsk), Insterburg (Tschernjachowsk), Königsberg (Pr.) (Kaliningrad), sowie den alten Bädern Cranz (Selenogradsk) und Rauschen (Swetlogorsk) an der Ostseeküste war seinerzeit leider ebensowenig möglich wie die Einreise in das bereits 1920 nach dem verlorenen 1. Weltkrieg von Ostpreußen abgetrennte Memelland (Klaipėdos kraštas) mit seinem Hauptort Memel (Klaipėda), das jetzt zu Litauen gehört.





Königsberg mit Schlossturm (1895)

Quelle: Wikipedia


Das, was wir aber sahen und erlebten, war einfach überwältigend: Riesige dunkle Wälder, unendlich viele große und kleine kristallklare Seen, ganz so, wie es in der Heimat-Hymne anklingt - unberührte Natur pur! Hier schien außerhalb der größeren Ortschaften und Städte wie
Allenstein (Olsztyn), Nikolaiken (Mikołajki) am Spirdingsee oder Lyck (Ełk), dem Geburtsort des Schriftstellers Siegfried Lenz, die Zeit wirklich stehen geblieben zu sein.

Kaum ein Abend verging, an dem wir in den Weiten Masurens nicht am Lagerfeuer an einem der vielen Gewässer saßen, selbst gesammelte Pilze und käuflich erworbenes Fleisch und Gemüse brutzelten. Geschlafen haben wir trotz mitgenommener Zelte und den zahllosen Mücken zum Trotz zumeist im Freien. Pfadfinderromantik pur! Und was für ein Sternenhimmel - unsagbar schön!




Abendstimmung in der Nähe von Lyck / Ełk

Foto: Guido Schümann - 1990



Nicht minder beeindruckend waren die menschlichen Begegnungen - fast überall, und ganz besonders in der Einöde, in der nur vereinzelt anzutreffende Bauernhöfe geradezu verloren wirkten, wurde uns eine ganz große Gastfreundschaft entgegengebracht. So manches Mal durften / mussten wir mit den Einheimischen mit deren Selbstgebranntem anstoßen... Sprachbarrieren gab es früher oder später dann so gut wie gar nicht mehr... ;-)

Und auch sonst im Alltag war die Sprache kein Problem. Während außer ein paar unverzichtbaren Redewendungen, die sich jeder in unserer Gruppe angeeignet hatte, niemand von uns polnisch sprach, trafen wir auf sehr viele Menschen aller Altersstufen, die sich mit uns gut auf deutsch (und manchmal auch auf englisch oder auf französisch) verständigen konnten.

Die russische Sprache, die wir alle mehr oder weniger fließend beherrschten, war hingegen verpönt. Unsere Versuche in diese Richtung waren alle zum Scheitern verurteilt - die Bevölkerung in diesem schönen Winkel der Welt weigerte sich schlicht, die von mir sehr geschätzte russische Sprache anzuwenden, obwohl diese lange genug in den polnischen Schulen gelehrt wurde. Aber genau das war es ja auch - die jahrzehntelange Bevormundung durch die sowjetische "Schutzmacht" (richtiger wäre wohl Besatzungsmacht) wirkte noch nach, und alles, was damit im Zusammenhang stand oder gesehen wurde, wurde im besten Fall ignoriert, vielen Menschen dort war es schlicht verhasst.

Seit "damals" (1990) hat sich im "Land der dunklen Wälder und kristall´nen Seen" womöglich eine ganze Menge verändert, aber, und das weiß ich aus vielen Reiseberichten der letzten Jahre, diese Unberührtheit und Unverbrauchtheit von Natur und Landschaft ist im früheren Ostpreußen auch jetzt noch anzutreffen. Ich kann nur jedem raten, dort einmal hinzureisen, vielleicht im Rahmen eines Radwander- oder Kanu-Urlaubes. Angebote dazu in Form von organisierten Gruppenfahrten gibt es zuhauf. Ich selbst möchte auch noch einmal wieder dorthin, aber mutmaßlich werde ich vorher erst einmal den mir noch fehlenden nördlichen Teil dieses alten Kulturraumes bereisen.

Guido Schümann - 05.05.2007


Diesen Beitrag widme ich ...
... meinen früheren Freundinnen und Freunden
aus der ehemaligen DDR:

Ingrid, Lutz, Sabine, Ge(rtrud), Niels, Tho(mas), Jacob, Holm und Marcus

Viel ist seit unserer Masuren-Reise geschehen,
und unsere Wege haben sich schon lange getrennt.
Und dennoch: Die Erinnerungen bleiben - schön war die Zeit!










Masuren: Wasser, Wälder, weites Land!







               


Internetempfehlungen zu Ostpreußen:


Portal: Ostpreußen
Alles zum Thema Ostpreußen in der Wikipedia

Ostpreußen --- Königsberg in Preußen --- Kaliningrad
Informationen aus der Wikipedia über heute nichtdeutsches Gebiet.

Ostpreußenlied
Land der dunklen Wälder und kristall´nen Seen...

Provinz Ostpreußen --- Königsberg i. Pr.
Reise in die Vergangenheit bei Deutsche-Schutzgebiete.de.

Ostpreußische Ortsnamen
deutsch - russisch - litauisch

Wikipedia: Ostpreußische Städte
Ortsnamen deutsch - polnisch - russisch -litauisch


Bildarchiv Ostpreußen bei Ostpreussen.de
Bilder aus der Region - einst und jetzt

Masuren-Bilder bei PBase.com
Schöne Fotos aus früher ostpreußischem Gebiet.

Ermland-Masuren bei fotocommunity.de
Ansprechende Aufnahmen aus der ehemals ostpreußischen Region.

Skaldenland.net: Ostpreußen
Unvergessene und wunderschöne Region im Herzen Europas.

Stadtgemeinschaft Königsberg (Pr.)
in der Landsmannschaft Ostpreußen

Traditionspflege auf kulturellem, wirtschaftlichen und humanitären Gebiet.

Preußische Allgemeine Zeitung
Das Ostpreußenblatt.

Königsberger Express
Nachrichten aus der früheren ostpreußischen Hauptstadt.

Kaiserwetter in Königsberg (Kaliningrad) ?
Sonne oder Regen, Donner und Blitz, Regen, Hagel oder Schnee ?

Dittchenbühne Elmshorn
Das einzigartige ostpreußische Mundarttheater.









Ostpreußen:
Land der dunklen Wälder und kristallnen Seen

Idyllisches Fleckchen Erde bei Lyck / Ełk

Foto: Guido Schümann - 1990






Letzte Aktualisierung: 01.10.2011